GERHARD LAMPRECHT

Biografie

*6. Oktober 1897, Berlin – †4. Mai 1974, Berlin/West

Seit seiner frühesten Kindheit interessiert sich Gerhard Lamprecht für das Kino, konstruiert z.B. einen Film-Schaltmechanismus und beginnt, Filmkopien und Programmzettel zu sammeln. 1914 verkauft er sein erstes Filmmanuskript. Ab 1916 studiert er Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Berlin und nimmt gleichzeitig Schauspielunterricht. Bevor er zum Kriegsdienst einberufen wird, spielt er an verschiedenen Berliner Bühnen. Nach dem Ersten Weltkrieg verfasst er weitere Drehbücher, wird Chefdramaturg der Rex-Film-Gesellschaft und gleichzeitig Cutter. Sein Regiedebüt gibt er 1920 mit „Er bleibt in der Familie“. Zu Bekanntheit gelangt Gerhard Lamprecht durch die Verfilmung von Thomas Manns „Buddenbrooks“. In seinen „Milljöh“-Filmen „Die Verrufenen“, „Menschen untereinander“ und „Die Unehelichen“ beschäftigt er sich gesellschaftskritisch mit den ärmlichen Lebensbedingungen der proletarischen Welt und setzt dafür z. T. normale Leute und Kinder als Schauspieler ein. 1925 gründet er die Gerhard Lamprecht-Filmproduktion. Seine nächsten Arbeiten sind Dokumentarfilme, Kriminalfilme, Melodramen, „Preußenfilme“ und erste Tonfilme. Seinen größten internationalen Erfolg feiert Lamprecht 1931 mit „Emil und die Detektive“ basierend auf einem Drehbuch von Billy Wilder. Propagandistischen Stoffen versucht er im Dritten Reich aus dem Weg zu gehen, aber Vorlagen wie z.B. bei „Diesel“ machen das nicht immer einfach. Daher dreht er in dieser Zeit eher routinierte Handwerksfilme: Krimis, Märchen, Literaturverfilmungen und Musikfilme. Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpft er bei der DEFA mit „Irgendwo in Berlin“ auf vielfältige Weise an den Erfolg von „Emil und die Detektive“ an. Seine weiteren Regiearbeiten, hauptsächlich im Bereich des Unterhaltungsfilms angesiedelt, bleiben größtenteils unbeachtet. Ab 1955 beschäftigt er sich vor allem mit seinen filmhistorischen Sammlungen, die 1962 den Grundstock für die Gründung der Deutschen Kinemathek bilden, deren Leiter Lamprecht auch bis 1966 ist.


 

"Diesel" - D 1942, 95 Min., Farbe: SW

Regie: Gerhard Lamprecht - Drehbuch: Frank Thieß, Gerhard Lamprecht, Dr. Richard Riedel, nach der Biografie von Eugen Diesel - Produzent: Dr. Richard Riedel - Produktionsfirma: Ufa-Filmkunst GmbH, Berlin - Verleih: Transit Film GmbH - Kamera: Georg Krause - Musik: Hans-Otto Borgmann - Darsteller: Willy Birgel, Hilde Weissner, Paul Wegener, Josef Sieber, Arthur Schröder

Inhalt: Der Konstrukteur und Erfinder Rudolf Diesel nimmt 1870 sein Studium auf. Er versucht die Dampfmaschine zu verbessern und einen neuen Motor ohne offenes Feuer zu schaffen. Trotz eines gescheiterten Versuchs 1889 gibt er nicht auf und schlägt sogar lukrative Jobangebote aus, bis er trotz Anstrengungen und juristischer Widrigkeiten endlich den Diesel-Motor herstellen kann.  

Info: Diesel wird in dem Film als übermenschlicher Held inszeniert, der zur Verwirklichung seiner Idee immer wieder sämtliche Kräfte mobilisiert, die ihm zur Verfügung stehen. Seine Geschichte wird in einer wertenden Weise dargestellt, die in Beziehung zur nationalsozialistischen Gegenwart steht. Die Huldigung eines genialen Vorreiters steht dabei dem Führerprinzip äußerst nahe. Dementsprechend erhielt die Biografie auch die Prädikate „Staatspolitisch und künstlerisch wertvoll“, „Volkstümlich wertvoll“ und „Jugendwert“.


 

"Irgendwo in Berlin" - SBZ (DDR) 1946, 78 Min., Farbe: SW

Regie: Gerhard Lamprecht - Drehbuch: Gerhard Lamprecht - Produzent: Georg Kiaup - Produktionsfirma: DEFA-Studio für Spielfilme - Verleih: Deutsche Kinemathek - Kamera: Werner Krien - Musik: Erich Einegg - Darsteller: Harry Hindemith, Hedda Sarnow, Charles Knetschke, Hans Trinkaus, Siegfried Utrecht

Inhalt: Berlin 1946: in der Trümmerlandschaft der zerstörten Stadt vertreiben sich einige Kinder, unter ihnen Gustav Iller, die Zeit mit Kriegsspielen. Als sein Vater ohne jede Lebenskraft aus der Gefangenschaft heimkehrt, wenden sich die Bandenmitglieder gegen ihn. Erst nachdem einer ihrer Freunde bei einer unsinnigen Mutprobe stirbt, denken sie um und helfen Gustavs Vater, wieder auf die Beine zu kommen.   

Info: Der Spielfilm ist ein akkurates Porträt der Lebensverhältnisse nach dem Krieg, wie z.B. die vorherrschende Lebensmittelknappheit oder die Beseitigung von Schutt durch Trümmerfrauen. Werte wie Solidarität, Zuversicht und Mut zum Neuanfang werden dramatisiert vermittelt. In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg werden alle Betroffenen als Opfer dargestellt, Fragen nach der Kriegsschuld ausgeblendet. Das eigentliche Ende des Films wurde vermutlich auf Bestreben der sowjetischen Militärregierung zu einer kollektiven Wiederaufbau-Aktion abgewandelt.


 

Biografie und Filminformationen als Download
Filmblatt Gerhard Lamprecht.pdf




 

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