PAUL VERHOEVEN

Biografie

*23. Juni 1901, Unna – †22. März 1975, München

Durch privaten Schauspielunterricht kommt Paul Verhoeven 1921 zum Theater in München, später auch Dresden, Frankfurt und Berlin. Neben kleineren und größeren Rollen versucht er sich als Regisseur und Schreiber. Sein erster Spielfilm ist 1937 die Operettenverfilmung „Die Fledermaus“. Im Folgenden dreht er Lustspiele, Komödien und Melodramen, wobei seine nächste Operettenverfilmung „Die Nacht in Venedig“ (1942) von Goebbels als „mustergültige Unterhaltung“ gepriesen wird. 1943 wird er Intendant an zwei Berliner Theatern und dreht weiterhin Filme, wie den pompösen „Philharmoniker“, welcher in seiner Schlusssequenz das Jahr 1933 als Überwindung der Krise glorifiziert. Der Prestigefilm wird mit den Prädikaten „künstlerisch besonders wertvoll“, „staatspolitisch wertvoll“ und „kulturell wertvoll“ ausgezeichnet. 1944 wird Verhoeven zum Kriegsdienst einberufen, entzieht sich diesem aber. Von 1945 bis 1948 ist er Intendant am Staatsschauspiel München. Er erhält außerdem von der amerikanischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Filmherstellung und gründet die Firma V-Film. Das erste Projekt „Du bist nicht allein“ fällt 1949 mit seinem Nachkriegsstoff beim Publikum durch, was Verhoeven in finanzielle Schwierigkeiten bringt und bestimmte Filme unter Zwang drehen lässt. „Das kalte Herz“ ist sein einziger DEFA-Film, auch wenn das Werk später zum großen Erfolg wird. In der BRD dreht er vorwiegend Liebesfilme, Komödien und Volksstücke. Ab 1955 ist Verhoeven als Schauspieler und Regisseur für das Fernsehen tätig, insbesondere für Bühnenstücke und Dokumentarspiele. Daneben bleibt er dem Theater treu, wird z.B. 1963 zum Schauspieldirektor der Münchner Kammerspiele und gründet ein eigenes Tournee-Theaterunternehmen. Politisch macht Paul Verhoeven 1969 für die SPD und Willy Brandt Werbung.


 

"Ein glücklicher Mensch" - D 1943, 93 Min., Farbe: SW

Regie: Paul Verhoeven - Drehbuch: Curt Johannes Braun, nach dem Bühnenstück "Swedenhielms" von Hjalmar Bergman - Produzent: Walter Lehmann - Produktionsfirma: Tobis-Filmkunst GmbH, Berlin - Verleih: Transit Film GmbH - Kamera: Fritz Arno Wagner, Erich Nitzschmann - Musik: Clemens Schmalstich - Darsteller: Edward Balser, Viktor de Kowa, Maria Landrock, Gustav Knut, Hedwig Wangel

Inhalt: Der geniale Chemiker Professor Lorenz lebt stets gut gelaunt in seiner Welt der Wissenschaft. Er ahnt nicht, dass seine drei erwachsenen Kinder kostspieligen Interessen nachgehen, die seine Haushälterin Frau Baumann mit dem Wirtschaftsgeld finanziert. Als dieses knapp wird, hoffen sie auf einen Gewinn des Nationalpreises durch den Professor. Doch da werden ihm durch einen Bankier gefälschte Schuldscheine mit seiner Unterschrift präsentiert.                         

Info: Der Film ist eine zu Kriegszeiten entstandene Familienkomödie mit Bühnencharakter, was auf die enge Verbundenheit des Regisseurs mit dem Theater verweist. Er erhielt das Prädikat „Künstlerisch wertvoll.“ Das zugrunde liegende Theaterstück wurde schon 1935 in Schweden verfilmt.


 

"Das kalte Herz" - DDR 1950, 105 Min., Farbe: F

Regie: Paul Verhoeven - Drehbuch: Paul Verhoeven, Wolff von Gordon, nach dem Märchen von Wilhelm Hauff - Produzent: Fritz Klotzsch - Produktionsfirma: DEFA-Studio für Spielfilme - Verleih: Deutsche Kinemathek - Kamera: Bruno Mondi - Musik: Herbert Trantow, Ernst Kunstmann - Darsteller: Lutz Moik, Hanna Rucker, Paul Bildt, Erwin Geschonneck, Paul Esser

Inhalt: Der arme Köhler Peter Munk möchte die schöne Lisbeth heiraten. Er lässt sich daher auf ein Geschäft mit dem bösen Geist Holländer-Michel ein, wobei er im Austausch für sein Herz den erwünschten Reichtum erhält. Er erschlägt aber aus seiner Gefühlskälte heraus die gutmütige Lisbeth. Wieder zur Besinnung gekommen, gewinnt er durch List sein wahres Herz vom Michel zurück und kann mit Hilfe des guten Glasmännleins seine Frau wiederbeleben.

Info: Der erste Farbfilm der DEFA thematisiert im Märchengewand den „Segen der Arbeit und den Fluch des Geldes“. Trotz seiner humanistischen Botschaft wurden dem Film durch die DEFA-Kommission „übertriebene optische Grausamkeiten“ und eine Unvereinbarkeit „mit den Idealen einer fortschrittlichen Kunst“ vorgeworfen. Wegen zu hoher Produktionskosten wurde eine weitere Zusammenarbeit des Regisseurs Verhoeven mit der DEFA ausgeschlossen.   


Biografie und Filminformationen als Download
Filmblatt Paul Verhoeven.pdf


 

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